Aus den 90er Jahren wird ausgerechnet von Bill Gates die Äußerung überliefert, Schwarzkopien hätten Microsoft in den chinesischen Markt geholfen. Nachdem China erst einmal auf den Geschmack gekommen war, habe man Wege finden können, den Trend auch in Geld umzumünzen. (s. “BSA or just BS”, The Economist, 19.05.2005). Das war noch zu Zeiten, wo den meisten Unternehmen die Verbreitung von Schwarzkopien große Sorgen bereitete und scharfe Sanktionen gegen Kopierer an der Tagesordnung standen. Heute macht man das eigentlich genauso, nur sagt man dazu nicht mehr Schwarzkopien, sondern Open Source. Nehmen wir da mal Sun Microsystems, das erkannt hat, dass es nicht Schwarzkopien sein müssen, um sich auf dem Markt zu etablieren. Es reicht auch, wenn man die Software öffentlich legal verbreitet. Nachdem nun Sun im November 2006 auf diese Weise Java an die Öffentlichkeit “schenkte”, hat es mittlerweile auch sein Betriebssystem kostenlos freigegeben. Laut dem Geschäftsführer Jonathan Schwarz von Sun geht es darum so viele Leute wie möglich dazu zubewegen ihre Software zu nutzen. Je mehr Menschen Suns Betriebssystem nutzen, desto mehr Entwickler werden sich dazu veranlasst fühlen auch selbst Software dafür zu entwickeln. Das führt wieder zu mehr Unternehmen, die schließlich dazu tendieren die Hardware von Sun zu kaufen (s. “That’s One Way to Reinvent A Company”, Business Week, S78, 15.10.2007).
Was einst böse und illegal war, stellt sich als positiv und nutzbringend heraus. Es fehlen eben immer nur ein passender Plan und der Weitblick über die Emotionen heraus.
Irgendwie scheinen diese Leute, die auf derartige Ideen kommen ihren Rivalen weit voraus zu sein. Sun Microsystems Plan geht auf. Während das noch vor solchen Maßnahmen mit einem Verlust von $864 Millionen zum Jahresende blickte, schreibt es mit Strategen wie Schwartz mittlerweile wieder schwarze Zahlen. Der 42jährige mit seinem Pferdeschwanz und einer bunt-karierten Krawatte macht eher den Eindruck eines introvertierten Programmierers, als den Eindruck eines seriösen Geschäftsmanns. Doch vielleicht braucht es genau solche Leute der neuen Generation, um die Chancen des Webs zu erkennen. Wen wundert’s, dass Schwarz auch selbst einen eigenen Blog betreibt: http://blogs.sun.com/jonathan.

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