Wir erinnern uns noch an die Zeit, wo angekündigt wurde, dass Systemsoftware in der Zukunft auf Online-Plattformen übersiedeln würde. Dieser Trend hat sich längst bestätigt. Software wie Word, Excel und Powerpoint sind längst online verfügbar, Google Apps macht es möglich. Doch hinzu kommt noch, dass mittlerweile mehr als eine Million Unternehmen darauf zurückgreifen. So beispielsweise auch Cothic Cabinet Craft, eins der größten Möbelhäuser in New York. Statt das Geld für Microsoft-Produkte auszugeben, nutzt das Unternehmen die kostenlose Online-Version von Google und spart dadurch hunderttausende Dollar an Lizenzkosten. Andere Unternehmen wiederum greifen auf “Google Apps für Unternehmen” zurück, die mit erweiterten Möglichkeiten und zusätzlichen Funktionen wirbt. Der Kostenfaktor hier: Gerade mal 50 Dollar im Jahr. Aber auch der Einsatz von Open Source steigt enorm. Walt Disney greift sogar auf Open Source Software auf der Plattform Linux zurück, um animierte Kinofilme zu erstellen.

Das Zeitalter der günstigen Technologien ist längst zum Trend geworden. Gerade mal ein paar Jahre ist es her, als die Industrie auf Fotoagenturen wie Corbis angewiesen war, der zwischen ca. $50 und $800 Dollar für Biderlizenzen verlangte. Doch steht auch diese Branche stark unter Druck durch das Aufkommen der sogenannten Ministocks. Bilder zwischen 1 und 3 Dollar kann man beispielsweise bei der führenden Fotoagentur IStockphoto lizenzieren. Durchschnittlich verdient dort ein Fotograf bei einem Portfolio von 2.000 Fotos bis zu 1.000 Dollar im Monat. Eine Branche, die nicht nur aufgrund der Qualität eine enorme Wachstumsrate verzeichnet.

Der Umstieg auf günstige Software ist auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen. Immer mehr Unternehmen entdecken zwangsläufig Möglichkeiten Technologie günstig einzukaufen. Laut dem Marktforschungsinstitut IDC sind die Ausgaben der US-Unternehmen im Jahr 2008 für Technologie von 4,9% auf 0,9% gesunken.

Bei der letzten Wirtschaftskrise waren derartige Veränderungen der Unternehmen nicht möglich. Die Technologien waren noch nicht ausgereift. Wer jetzt allerdings die Chance entdeckt sich auf diese Weise zu verändern, vollzieht eine intelligente Anpassung an eine Rezession und kommt erfolgreich der Notwendigkeit nach, Kosten zu sparen.

Die Verlierer dieses Trends scheinen zunächst Unternehmen wie Microsoft und SAP zu sein, die derzeit ihre Preise weniger durchsetzen können. In den Vordergrund rücken dagegen Unternehmen wie Google, Salesforce.com und VMware. Microsoft sieht derweil diesem Trend gelassen entgegen, während SAP damit argumentiert, dass ein Unternehmen keine billige Software benötigt, sondern einen zuverlässigen und unterstützenden Partner, der sich an Veränderungen strategisch anpassen kann. Sobald sich die Wirtschaftslandschaft von der Krise erholt hat, werden die Unternehmen auf diejenigen Partner zurückgreifen, die die notwendige Erfahrung  besitzen. Angeblich seien Unternehmen wie Google sind nicht für ihren zentralen Support und strategische Erfahrung im Bereich des Vertriebs und Support von Software im Office-Bereich bekannt. Wobei Google im Bereich der Suchtechnologien bei Unternehmen längst einen etablierten Vertrieb im Einsatz hat.

Da fragt sich nur, ob die proprietären Unternehmen wie Microsoft den längeren Atem haben, oder ob Open Source & Co. irgendwann mit strategischem Wissen aufholen. Gefährlich ist es für Unternehmen wie Microsoft trotzdem. Wer einmal auf den Geschmack von günstiger Software gekommen ist, der sattelt so einfach nicht mehr um. Ein Trend macht selten einen Rücksprung, vor allem dann nicht, wenn es sich um eine evolutionäre Weiterentwicklung handelt. Wer traut sich dann noch auf teure Software umsteigen, wenn der gesamte Unternehmensprozess mittlerweile auf Open Source und andere günstige Software angepasst worden ist. Ob mit oder ohne Wirtschaftskrise, dann wäre auch für Microsoft der Zug abgefahren.